IM INTERVIEW: ANTONIA ZANDER

Derzeit schmücken ihre exklusiven Herbst/Winter-Looks unser Experiment 04 – Indian Summer und auch fernab von unserem REYER Labor läuft es bei Antonia Zander und ihrem gleichnamigen Label wie am Schnürchen. Die begehrten Strickkollektionen der Münchnerin stehen für das moderne Wiederbeleben eines hochwertigen Handwerks, die Wertschätzung von Qualität, Ressourcen und Arbeitskraft. Gleichzeitig stehen sie aber auch für höchsten Luxus. Ein Label zwischen sozialer Verantwortung und modischer Mission.

Wir haben mit der sympathischen Designerin über ihre Liebe zu Kaschmir gesprochen, wie sie ihre beiden Schwestern zu neuen Designs inspirieren und was sie mit unserem Haus verbindet:

 

1. Beginnen wir bei den Anfängen von Antonia Zander Cashmere. Da warst Du gerade einmal vier Jahre jung, richtig?  

Stimmt.

2. Du bist im Süden Bayerns aufgewachsen. Wie kam Deine Mutter auf die Idee Kaschmir-Kollektionen zu fertigen? 

Meine Mutter hat klassisch nach einer Schneiderlehre in München die Meisterschule für Mode gemacht und danach die unterschiedlichsten Jobs gehabt, unter anderem auch als Designerin für Rena Lange. Meine Eltern haben dann Mitte der 70er einen alten Hof im tiefsten Chiemgau gekauft – mit zwei Kleinkindern mitten im Nirgendwo konnte sie keinen 8 to 5 Job mehr machen und wollte aber trotzdem wieder arbeiten… also hat sie ihre eigene Firma gegründet…

3. War es für Dich eine Bürde oder ein Segen, dass Deine Mutter das Label nach Dir benannt hat? 

Da habe ich nie drüber nachgedacht: das war einfach so!

4. Kaschmir gilt als eines der edelsten Materialien. Was macht für Dich die Faszination aus? Und wie verpasst Du ihm Deine ganz persönliche Note? 

Die Faszination liegt für mich darin, dass es ein Naturmaterial ist und für die Kaschmirziegen einfach ein Schutz vor sämtlichen Klimaeinflüssen ist: dabei entsteht so etwas unglaublich weiches, hauchfeines und luxuriöses, dass es früher den Königshäusern vorbehalten war…

Meine persönliche Note passiert über Form, Farben und Muster – jede Saison läuft unter einem bestimmten Thema – wie diesmal eben Native Animism – was auch wieder viel mit Natur und deren Empfinden zu tun hat…

5. Du bist mit drei Schwestern aufgewachsen. War es schon immer klar, dass Du Antonia Zander Cashmere übernehmen wirst?

Nein, würde ich so nicht sagen – alle drei sind kreativ, interessieren sich für Mode: meine älteste Schwester hat dann Fotografie studiert und betreibt heute einen der schönsten Interieur-Läden in München (www.ladoug.de) und meine andere Schwester ist als totaler Mode-Junkie erst zur Vogue und von dort in die PR gerutscht – wir haben uns gleichzeitg selbständig gemacht und sie betreut mein Label mittlerweile seit 13 Jahren mit Ihrer Agentur www.stilart-pr.com.

Ich habe noch während der Schulzeit eine Schneiderlehre gemacht, dann in Berlin Mode studiert und dann nahm es eben so seinen Lauf….

6. Haben Deine Schwestern Einfluss auf Deine Designs? Oder inspirieren sie Dich sogar? 

Absolut! Beide haben einen tollen Geschmack in zwei völlig unterschiedliche Richtungen! Andrea eher französische Avantgarde, Ala lässt sich nicht auf einen Stil festlegen – am ehesten verrückter L.A. Hippie –  beide lasse ich über die Entwürfe und Farben schauen und frage nach ihrer Meinung – damit habe ich am Ende ein sehr breites Spektrum an Stil abgefragt…

7. Social Media, Blogger, Magazine & Co., die Einflüsse, die auf uns täglich einprasseln sind im Vergleich zu damals unvergleichbar hoch. Wie gehst Du damit um? Was inspiriert Dich und wie kreierst Du Deine ganz eigene Designhandschrift? 

Mittlerweile bin ich jeden Tag auf Instagram, folge den unterschiedlichsten Leuten – finde jeden Tag immer noch mehr weltweit.. Pinterest ist ein unendlicher Pool für Moods, Muster, Farben, Inspirationen, die klassischen Magazine und auch Online-Seiten bleiben wichtig und natürlich Filme, Streetstyles, etc…

Jeden Tag speichere ich was für die kommende Saison in meinem Hinterkopf und irgendwann entwickelt sich daraus das Thema, der rote Faden – umgesetzt, so wie es für mich stimmig ist.. Das ist dann meine Handschrift…

8. Deine Kollektionen versprühen immer einen ganz besonderen Spirit. Immer sind sie sehr positiv und voller Lebenslust. Sie wirken niemals zu angestrengt oder ernst. Ist Dir das wichtig? 

Mein Freund, meine Familie und meine engsten Freunde wissen, wie angestrengt ich bin, bis es so aussieht und wie sehr mich jede Kollektion aufs Neue fordert, deshalb nehme ich es als großes Kompliment, wenn es dann am Ende unangestrengt wirkt!

Mode sollte Spaß machen! Ja, das ist mir wichtig…

9. Worauf legst Du, neben der Qualität, besonderen Wert bei einem Kleidungsstück?

1., 2. und 3. Qualität – dazu gehört mittlerweile vor allem auch Nachhaltigkeit: wo und wie und von wem wurde es produziert! Wir können der Welt nicht ständig nur Ressourcen wegnehmen, Tiere quälen und Müll zurücklassen – wir haben nur diesen einen Planeten!

4. Schnitt

5. Es sollte denjenigen, der darin steckt, sichtbar machen und nicht umgekehrt

10. Was verbindet Dich mit REYER?

Wir haben beide eine große Verantwortung von unseren Eltern übernommen – als Nachfolger möchte man nicht derjenige sein, der scheitert!
 An Reyer erkennt man, dass man alteingesessene Traditionshäuser unbeschadet ins 21. Jahrhundert bringen kann, wenn man nicht stehen bleibt!

Viele Modehäuser haben es nicht geschafft und es gehört sehr viel Mut, Arbeit und Passion dazu, so modern, so cool und mit so viel Leidenschaft zu agieren!

Alex und Karl Reyer haben eine Vision und die haben sie realisiert! Davor habe ich großen Respekt!

11. Unser Labor widmet sich im neuesten Experiment 04 – Indian Summer voll und ganz Deiner wunderschönen und äußerst gelungenen Herbst/ Winter Kollektion. Wie siehst Du unser REYER Labor? 

Das Labor ist in meinen Augen die stationäre Antwort auf das Internet: dort wird für kurze Zeit eine Welt geschaffen, die den Kunden neue Blickwinkel eröffnet.

Man sieht nicht mehr nur Kleidung an der Stange hängen, sondern Reyer erschafft Räume und Bilder und weckt damit eine Emotion… gleichzeitig kann man sich viel Zeit nehmen, die Teile anfassen und auch sofort anprobieren – also ein großer Vorteil zum Internet.

12. Du lebst in München, bist aber durch Dein Label viel unterwegs. Wo tankst Du Deine Batterien auf? Wo kannst Du Dich entspannen – hast Du Tipps für uns in der Umgebung? 

Immer noch im Chiemgau, bei meinen Eltern! Mehr Heimat geht für mich nicht! Bayern ist meine große Liebe! Hier hat man alles: viel Natur, Berge, Seen, tolle Menschen…

13. Wie würdest Du Deinen persönlichen Stil beschreiben, was ist „typisch Antonia“?

Eigentlich so, wie ich auch meine Kollektion sehe: easy, nicht verkleidet, tagsüber eher lässig – eher subtil als „hau auf´s Auge“ und immer hochwertig…. Ich liebe High Heels, aber auch nur noch abends ohne Kopfsteinpflaster, ungewöhnliche Farbkombinationen und schöne Accessoires…

14. Und die kommende Saison: Auf was freust du dich in diesem Modeherbst 2016 besonders? Gibt es ein besonderes Highlight für Dich, auf das man nicht verzichten kann? 

Klimamässig bin ich ein absolutes Sommerkind – ich mag keine Kälte, Schnee, etc. – aber modetechnisch gefällt mir der Winter immer besser: ich liebe Layering, Gewürzfarben, tolle Cashmerequalitäten und Wollstoffe…

Auf keinen Fall sollte man auf einen Oversize-Cashmererolli, einen gut geschnittenen Mantel und eine weitgeschnittene (Marlene-)Hose verzichten… damit kommt man schon ganz gut durch 6 Monate Winterblues…